Sepp Prantler

Sepp Prantler

Der begeisterte Fliegenfischer Sepp Prantler engagiert sich seit langen Jahren für den Schutz und die Verbesserung der Fließgewässer, insbesondere für den Schutz der heimischen Wildfischbestände. Im Magazin FliegenFischen schreibt er Artikel über Gewässer, die ohne Besatzmaßnahmen bewirtschaftet werden und Gewässer, die auf einem guten Wege hin zu einer
Bewirtschaftung ohne Besatzfische sind.

Über die Schönheit und Scheu wilder Bachforellen, den feinen Unterschied zu Besatzfischen und warum echte Wildfisch-Gewässer das Herz jedes Fliegenfischers höherschlagen lassen.

Wilde Bachforellen – Warum der Wildfisch für mich den Unterschied macht

Sepp Prantler Über die Schönheit und Scheu wilder Bachforellen und warum echte Wildfisch-Gewässer das Herz jedes Fliegenfischers höherschlagen lassen.

Der Blick von der Brücke

Wenn es meine Zeit gerade zuläßt kann ich nicht leicht über eine Brücke fahren, ohne einen Blick ins Wasser zu werfen. In der Hoffnung, den einen oder anderen Fisch auszumachen. Natürlich auch im Urlaub auf der Mittelmeerinsel Korsika.

Wer sich sie besonders kurzschnäuzigen Bachforellen genauer anschauen möchte, kann einen Blick in den wissenschalftlichen Artikel von Schöffmann 2021 in Österreichs Fischerei Band 74 werfen.

Korsische Lektionen in Vorsicht

Bei meinen ersten Versuchen, eine dieser besonderen korsischen Bachforellen an die Fliege zu bekommen, hatte ich schon die Erfahrung gemacht, daß diese Fische außerordentlich scheu sind und bei unvorsichtigem Verhalten sofort flüchten.

An einer steinernen Brücke mit einer recht hohen Brüstung konnte ich mich bis zur Mitte in gebückter Haltung annähern, ohne eine weithin sichtbare Silhuette abzugeben.

Ganz langsam hob ich meinen Kopf über die Brüstung, um einen Blick ins Wasser zu werfen. Leider konnte ich nur noch die panisch flüchtenden Bachforellen unter mir wahrnehmen. Die Brücke war sicher mehr als zehn Meter hoch und die Sonne stand so, daß dass kein Schatten von mir aufs Wasser fiel. Und ich hatte wirklich nur meinen Kopf über die Brüstung geschoben.

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Die Schönheit der Bachforelle

Bachforellen sind für mich die schönsten heimischen Fische. Sie entwickeln ein unglaubliches Farbenspektrum. In Gewässern mit hellem Kiesgrund können sie hell silbern wie frisch aufgestiegene Lachse wirken, bei denen kaum eine Zeichnung erkannt werden kann.

In Berg- und Wiesenbächen sind sie oft deutlich braun, grün und am Bauch satt gelb gefärbt, mit kräftigen roten Punkten. Größere Forellen in ihren Unterständen dagegen sind meist sehr dunkel, manchmal fast schon schwarz. Ein unglaubliches breites Farbenspektrum können diese Fische entwickeln.

Die Bachforelle braucht den Vergleich zu bunten exotischen Fische in fernen Ländern nicht zu scheuen, sie ist eine wahre Schönheit!

Ja, und wilde Bachforellen sind scheu. Wilde Bachforellen leben auch gerne heimlich und nutzen vorhandene Strukturen perfekt, um sich den Blicken ihrer Feinde zu entziehen.

Der Überraschungsfisch im Mühlkanal

An einem Mühlkanal ließ es der üppige Uferbewuchs zu, daß ich mir gut blickgeschützt nähern konnte. An einigen Stellen gab es kleine Lücken in der Botanik, die vorsichtige Würfe aufs Wasser zuließen. Einige schöne Regenbogenforellen waren im Mittelwasser nahe dem gegenüberliegende Ufer auszumachen.

Ich fand eine Wurfposition, wo ich meine Trockenfliege mit genug Vorhalt präsentieren konnte. Der Wurf gelang, die Fliege landete nur wenige Zentimeter oberhalb eines kleinen Pflanzenteppichs, der unspektakulär über die Betonkante des Kanals wucherte.

Als die Fliege an dem Pflanzenteppich vorbei trieb, schob eine gute Bachforelle ihren Kopf unter den Pflanzen heraus und nahm die Fliege. Trotz meiner Überraschung gelang der Anhieb und ich konnte die wunderschön gefärbte, kräftige Bachforelle landen. Mit knapp über fünfzig Zentimetern war sie deutlich größer, als die Regenbogenforellen, die ich eigentlich anfischen wollte.

Schnell wurde der Fisch noch im Wasser vom Schonhaken befreit und durfte davonschwimmen.

Niemals hätte ich vermutet, daß unter dem kleinen Pflanzenbewuchs eine so große Forelle stehen könnte, die gerade mal so darunter passte.

Wild gegen besetzt – zwei Welten

Besetzte Bachforellen dagegen verhalten sich meist völlig anders. Die findet man oft auch im Freiwasser und sie haben eine deutlich größere Toleranz gegenüber unvorsichtigem Annähern oder Fliegenfischern, die gerne ins Wasser rennen, bevor sie die ersten Würfe machen. In der Fischzucht kennen die Fische Menschen vor allem, weil sie Futter ins Wasser werfen. Entsprechend leichter sind besetzte Bachforellen auch für den Fischer fangbar.

Anschleichen statt Anwaten

An Gewässern mit wild gewachsenen Bachforellen sollte man deshalb alle nur denkbaren Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Das beginnt bei der Annäherung ans Wasser. Es sollte eher ein Anschleichen mit langsamen, bedächtigen Bewegungen sein. Die besten Fische stehen oft direkt am eigenen Ufer.
Ins Wasser sollte man nur gehen, wenn es gar nicht anders möglich ist. Wilde Fische erkennen auch an den Druckwellen im Wasser, daß etwas nicht stimmt.

Leerwürfe über dem Wasser sollten vermieden werden. Besser die Leerwürfe außerhalb des Sichtbereiches der Fische machen und erst mit finalen Würfen die Standplätze der Bachforellen anwerfen.

Daran denken, daß flüchtende Fische auch anderen Fische beunruhigen, selbst wenn diese den Fischer noch gar nicht wahrgenommen haben.

Können besetzte Fische wild werden?

Natürlich lernen auch besetzte Bachforellen dazu, wenn sie lange genug überlebt haben. Wenn sie nicht ein Hochwasser weggespült hat, wenn die unerfahrenen Fische nicht leichte Beute von Prädatoren wurden, sie nicht in der Bratpfanne gelandet sind, mit nicht waidgerechtem Material zu Tode gedrillt wurden, oder an den Folgen einer längeren Fotosession verendeten.

Für die wenigen besetzten Bachforellen, die all das überlebt haben, gelten dann natürlich die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie für wild gewachsene Bachforellen.

Der entscheidende Unterschied

Für mich gibt es aber einen ganz entscheidenden Unterschied zwischen Gewässern ohne Besatz und Gewässern mit Besatz:

Nur bei Gewässern mit reinen Wildfischen kann ich sicher sein, alles richtig gemacht zu haben. Daß es meine Erfahrungen und mein Können waren, die den Fisch überlistet haben.

Daß es eben keine unerfahrenen halb verhungerten Fische waren, die an den Haken gingen, die noch vor Kurzem in einem Teich ihre Runden gedreht haben und praktisch alles nehmen, das man ihnen so hinwirft.

Dankbarkeit und Demut

Klar, daß man nicht immer die Möglichkeit hat, seiner Passion in Gewässern mit reinen Wildfisch-Beständen nachzugehen. Mir geht es auch so, daß nur sehr wenige Reviere in meiner Nähe sind, die ganz ohne Besatzmaßnahmen bewirtschaftet werden und wo man Zugang hat.

Um so mehr freue ich mich auf die Tage im Jahr, an denen ich meine Leine auf echte wilde Fische entfalten darf. Wo jeder Fisch, den ich mit der künstlichen Fliege überzeugen kann, mir das Gefühl gibt, dass ich über die Jahre beim Fliegenfischen etwas gelernt habe.

Es gibt natürlich auch die Momente, wo die wilden Fische mir zeigen, daß ich nicht alles richtig gemacht habe und daß ich besser noch dazulernen sollte. Diese Momente vermitteln mir dann wieder das nötige Maß an Bescheidenheit und Selbstreflexion, das untrennbar mit dem Fliegenfischen verbunden sein sollte.

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Meine Magie des Fliegenfischens

Meine Magie des Fliegenfischens

Sepp Prantler Wie aus einem Golfplatz-Ausweichplan eine tiefe Leidenschaft wurde: Über die Faszination des Fliegenfischens, den Wert des Wildfischs und magische Momente.

Wie alles begann – und warum es kein Golf wurde

Am Anfang meiner Fliegenfischer-Karriere stand die Suche nach einer Beschäftigung, die mich vom alltäglichen beruflichen Stress für einige Stunden befreien konnte. Golfen stand erst mal ganz oben auf der Liste. Es war März und alle Golfplätze waren witterungsbedingt unbespielbar. Ein Fliegenfischerkurs war zeitlich früher umsetzbar. Was verhinderte, daß ich zum Golfer wurde.

Sepp Prantler in seinem Magischen Moment

Lehrjahre ohne Fisch

Die Anfänge meiner neuen Passion waren hart. Nach dem Kurs kaufte ich mir umgehend eine Jahreskarte an einem großen Voralpenfluß. Und fing erst mal … nichts! Das, obwohl ich drei bis vier Tage die Woche am Wasser war. Aber so konnte ich ganz entspannt die Zeit ohne den Störfaktor Fisch an der Leine nutzen, um das Werfen mit der Fliegenrute zu üben und ein Verständnis für das Leben am und im Wasser entwickeln.

Irgendwann war der Bann gebrochen und es verfingen sich erst einzelne und schön langsam immer öfter Forellen und Äschen an meinen Fliegen.

Das mit dem Abschalten funktionierte ganz hervorragend. Schon beim Einpacken der Ausrüstung ins Auto war der Alltagsstress meist vollständig verflogen. Am Wasser war ich sowieso beschäftigt und die damit verbundenen Erlebnisse wirkten noch lange nach, als ich längst wieder zu Hause war.

Von der Nymphe zur Trockenfliege – mein Weg zu den Fischen

Anfangs fischte ich gerne mit allem, was man so probieren kann: Nymphe, Streamer, Naß- und Trockenfliege. Meist kam aber die Nymphe an das Vorfach. Und ich wollte auf alle möglichen Arten fischen: Forellen, Äschen, Lachs, Meerforelle, Huchen, Steelhead, Barsch, Hecht und was sonst nicht noch alles. Bevorzugt in den Fließgewässern. Die großen „Wasserlatschen“ wie Seen oder das Meer schaue ich mir lieber bei einem gepflegten Drink von der Terrasse eines Cafe´s an.


Das mit den Lachsen, Meerforellen, Huchen und Steelhead funktionierte erstaunlich gut, hatte da wahrscheinlich einfach unglaublich viel Glück. Aber mehr und mehr kristallisierte sich für mich heraus, daß das Fliegenfischen auf Forellen und Äschen meine wirkliche Leidenschaft ist. Die Werferei mit schwerem Gerät und riesigen Fliegen macht mir einfach weniger Spaß, als der Umgang mit den wesentlich leichteren Fliegenruten für Forellen und Äschen.

Eins mit der Weltkugel

Schon zu Beginn meines Fliegenfischer-Lebens öffneten sich meine Sinne, konnte ich die Verbundenheit über Rute, Leine und Fliege in das mystische Element Wasser förmlich spüren. Das Schwingen der Leine entwickelte sich für mich wie eine Art Meditation.

Mein geschätzter Freund Albert Pesendorfer, Obmann der Freunde der Gmundner Traun“, drückte es so aus:

„Beim Werfen der Schlaufe bist Du Eins mit der Weltkugel.“ Treffend formuliert, lieber Albert!

Fischwasser in der Ferne

Auch in die Ferne trieb es mich fischend. Nach Irland, Schweden, England, Italien, Slowenien, Korsika, Südfrankreich, Spanien, USA und Kanada. Alles mehr oder weniger reine Fischerei-Reisen. Oft alleine, manchmal von Freunden organisiert. Und auch da hatte ich meistens richtig viel Glück, daß die Bedingungen passten.

Mittlerweile mache ich solche reinen Fischer-Reisen nur mehr sehr selten. Das Fischer-Glück liegt oft näher, als man denkt.

Der Wert des Wildfischs

Anfangs war ich froh um jeden Fisch, der mir an die Leine ging. Daß das in den meisten Gewässern vor allem Besatzfische waren, beschäftigte mich nicht wirklich. Viele Fische fangen und möglichst große, fand ich einfach gut.

Auch da gab es eine Reihe von Entwicklungsstufen, die ich durchgemacht habe. Das hing überwiegend damit zusammen, daß ich mich immer mehr für den Gewässerschutz und den Erhalt natürlicher heimischer Fischbestände einsetzte.

Der Wert des Wildfisches gewann zunehmend an Bedeutung. Mittlerweile zählt für mich der Fang einer 25 Zentimeter langen wilden Forelle wesentlich mehr, als der Fang eines kapitalen Besatzfisches. Und lieber fange ich einen echten Wildfisch, als zehn Besatzfische.

Wild oder besetzt? – Warum der Unterschied zählt

Klar, daß auch Besatzfische dazu lernen, wenn sie intensiv befischt werden und lange genug im Gewässer überleben, damit sie Erfahrungen sammeln können. Aber Wildfische sind von Natur aus und immer ungleich scheuer und kritischer gegenüber den angebotenen Fliegen und dem Verhalten der Fischer am Wasser.

Mittlerweile sind Besatzfische auch nicht immer an verstümmelten Flossen erkennbar, da gibt es heutzutage optisch schöneres Besatzmaterial.
Beispiel Gewässer, an dem es sowohl selbst reproduzierende Wildfische gibt, als auch Fische, die besetzt werden:
Fängt man eine 40er-Bachforelle, kann man nicht wirklich sicher sein, ob diese kurz vorher besetzt wurde und der nahende Hungertod den Fisch die Fliege hat völlig unkritisch nehmen lassen, oder ob es sich um einen äußerst kritischen Wildfisch handelt, der nur auf die Fliege reagiert hat, weil der Fliegenfischer alles richtig gemacht hat. In solchen Gewässern kann man nur sicher sein, daß es sich um einen Wildfisch handelt, wenn man weiß, daß dieser kleiner ist, als die Besatzfische, die eingesetzt werden.

Leuchttürme der Bewirtschaftung ohne Besatz

Und eine 40er-Bachforelle wäre in den allermeisten Gewässern schon ein recht passabel großer Wildfisch, den man nicht regelmäßig fängt. Es gibt sogar viele Gewässer, in den eine Bachforelle in dieser Größe natürlicherweise als Kapital zu bezeichnen wäre.


In einem Gewässer, das nicht besetzt wird, gibt es halt nur Wildfische und bei jedem Fisch, den man an den Haken bringt, muss der Fischer alles richtig gemacht haben. Manchmal kommt es mir beim Trockenfliegenfischen so vor, daß Fische die Fliege nur wegstoßen oder mir verächtlich mit der Schwanzflosse winken, wenn sie den Betrug mit der künstlichen Fliege erkannt haben.


Um so besser, daß langsam ein Umdenken bei einzelnen Gewässerbewirtschaftern Einzug hält. Vorreiter für diese beispielhafte Art der Bewirtschaftung ohne Besatz ist sicher der Verein „Die Bewirtschafter“, der von engagierten Fischereibiologen gegründet wurde. Diese bewirtschaften seit langen Jahren die Ois, den Kleinen Kamp und ein Stück der Ybbs bei Amstetten. Sie beweisen damit, daß selbst in Zeiten eines hohen Prädatorendrucks durch Vögel und Otter hervorragende Wildfischbestände aufgebaut und erhalten werden können.

Der Präsident des Österreichischen Fischereiverbandes, Gert Gradnitzer, demonstriert mit seiner Strecke an der Möll, daß selbst an einem Revier, das von fünf Kraftwerken beeinflußt wird, ein super Wildfischbestand aufgebaut werden kann.

Oberhalb von Aigen/Schlägl bewirtschaftet sogar ein Tourismusverband eine Strecke der Großen Mühl seit langen Jahren ohne Besatz. Fast wie an einem Kreidefluss fühlt man sich da, wenn man auf die naturgewachsenen wunderschönen Bachforellen fischt.

Und auch „Fliegenfischen mit Herz“ zeigt an der Steinberger Ache, daß gute und rein natürliche Bachforellen-Bestände keine Utopie sind, sondern praktische Realität.

Tolle Initiativen wie der vom ehemaligen ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel gegründete River and Nature Trust (RNT) unterstützen die Arbeit hin zu natürlichen Wildfischbeständen wirkungsvoll. Mit seiner Erfahrung im Umgang mit den Medien gelingt es Schröcksnadel immer wieder wirkungsvoll, dieses wichtige Thema präsent zu halten.
Schön, daß es solche Ausnahmegewässer als Leuchttürme erfolgreich gelebter Bewirtschaftung ganz ohne Besatz gibt. Und noch schöner ist es, daß alle diese Gewässer für verantwortungsvolle Fliegenfischer zugänglich sind.

Meine magischen Momente beim Fliegenfischen sind, wenn ich an solchen Gewässern fischen darf.

Meine magischen Momente

Wenn ich am Wasser an einem Zug unter mir steigende Fische ausmachen kann. Mich diesem Zug trotz fehlender Deckung vorsichtig nähere, die Leine so in die Luft bringe, so werfe, daß die steigenden Fische nicht verscheucht werden und es mir vielleicht sogar noch gelingt, einen dieser scheuen und wundschönen wilden Bachforellen an den Haken zu bringen. Was nicht immer so glatt läuft.

Dann fühle ich mich mitten in der Natur. Als Teil eines Ganzen, bei dem die scheinbare Grenze der Wasseroberfläche aufgelöst wird. Unfassbar tiefe Zufriedenheit durchströmt mich in solchen Momenten.

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