Der Lech wird ein Stück freier
Der Lech hat die Wahl zu Österreichs Fluss des Jahres 2026 gewonnen. Hoffentlich habt ihr das in unserem Newsletter gelesen und abgestimmt. Beim erstmals durchgeführten WWF-Online-Voting standen neun Flüsse aus allen Bundesländern zur Wahl, ausgewählt von einer Fachjury nach ökologischem Zustand, Artenvielfalt, Gefährdung und Schutzbedarf.
Platz zwei ging an die Schwarze Sulm, Platz drei an den Kamp.
Was den Tiroler Lech besonders macht, ist genau das, was anderswo verloren
gegangen ist: Er darf sich noch bewegen. Seitenarme, wilde Ufer und Kiesbänke,
die bei jedem Hochwasser neu umgelagert werden. Daraus entsteht das Mosaik aus
Rinnen, Kolken und Flachwasser, das Arten wie den Flussuferläufer und die streng
geschützte Deutsche Tamariske (eigentlich ein ziemlich unscheinbares Gestrüpp) überhaupt erst möglich macht. Und das dieselbe
Struktur schafft, die auch Fische in jedem Lebensstadium brauchen. Unter Druck steht das System trotzdem: An einem Zurbinger, dem naturnahen Namlosbach ist derzeit die Ableitung eines Großteils des Wassers Richtung Rotlechspeicher geplant. Hier könnt ihr mit eurer Stimme die Bürgerinitiative dagegen unterstützen.
Wer am Lech einmal fischen möchte, ist bei Wolfgang Schweißgut von
Lech Fly Fishing in guten Händen – und
mit unserer Lech-Box bestens
ausgerüstet.
Licca liber: zurück zur Eigendynamik
Auch flussabwärts erfährt der Lech zunehmend Wertschätzung. Im bayerischen
Projekt Licca liber soll er zwischen Staustufe 23 und der Mündung in die Donau abschnittsweise aus seinem Steinkorsett befreit werden und wieder eigendynamisch fließen. Eine sehr schöne Vorher-Nachher-Visualisierung des ersten Planungsabschnitts findet ihr auf der Projektwebsite.
Bemerkenswert ist die Begründung. Das ist hier nicht nur Naturschutz, sondern
Schadensbehebung: Die Begradigung vor rund 150 Jahren hat den Flusslauf verkürzt, die Fließgeschwindigkeit erhöht und damit das Geschiebe abgetragen, das die Sohle stabilisiert. Der Lech tieft sich seither ein. Die Folgen treffen alle – sinkende Grundwasserspiegel, gefährdete Trinkwasserversorgung, Trockenschäden in Forst- und Landwirtschaft, instabile Uferböschungen und Risiken für die Standsicherheit von Brücken und Staustufen. Gleichzeitig soll die Bewertung des ökologischen
Potenzials nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie von „mäßig" auf „gut" steigen.
Wir drücken die Daumen, dass das ein voller Erfolg wird – und als Beispiel für
weitere Flussabschnitte dient. Auch für den Inn.